Die Hände einer Bewohnerin liegen in einem Hospiz auf einer Bettdecke. Für Pforzheim wünscht sich der Geschäftsführer des Hospizes neben dem stationären auch ein teilstationäres Angebot. Foto: Peter Förster/dpa
Das stationäre Hospiz begleitet seit 16 Jahren Todkranke. Ein neues Tagesangebot mit acht Plätzen soll eine Lücke schließen. Es gibt Widerstand.
Bislang gibt es nur wenige solcher Einrichtungen in Baden-Württemberg. Das Tageshospiz St. Vincent in Ilvesheim, betrieben vom Caritasverband Mannheim, wurde als erstes Angebot in Baden-Württemberg im September 2022 eröffnet. Wenn es nach Martin Gengenbach geht, bekommt das Pforzheimer stationäre Hospiz einen Anbau für 3,6 Millionen Euro. Dort, so der Geschäftsführer des Hospizes, könnten acht Plätze für Tagesgäste entstehen. Das Grundstück dafür ist gekauft, der Bauantrag gestellt. Doch es gibt noch baurechtliche Hürden.
Wunden versorgen
Tagsüber könnten die Besucher logopädische und physiotherapeutische Behandlungen nutzen sowie auch eine psychotherapeutische Betreuung in Anspruch nehmen. Die Verabreichung von Medikamenten und die Wundbehandlung sind gewährleistet, ebenso die Nutzung des Pflegebads als Teil des Konzepts.
Der Bedarf sei da, bestätigten etwa das Siloah St. Trudpert Klinikum. Dr. Harald Löffler, Sektionsleiter Hämatologie/Onkologie, und Dr. Dorit Schmidt, Leiterin der Palliativstation, erklären auf PZ-Anfrage: Wie eigentlich überall in Deutschland seien sie in Pforzheim und dem Enzkreis mit einem großen Bedarf an stationärer und ambulanter Palliativversorgung konfrontiert, „so dass wir einen weiteren Ausbau und eine weitere Diversifizierung der hierzu bestehenden Angebote für sinnvoll und begrüßenswert halten“. Dementsprechend sei ein Tageshospiz eine interessante Erweiterung der bestehenden Angebote. Ziel einer solchen Einrichtung wäre es, Patienten mit einer unheilbaren Erkrankung in fortgeschrittenem Stadium, die hinreichend mobil sind und dennoch unter schweren, behandlungsbedürftigen Symptomen leiden, medizinische und pflegerische Unterstützung bei zugleich bestmöglicher sozialer Teilhabe zu ermöglichen. „In diesem Sinne halten wir ein solches Vorhaben für sehr unterstützenswert.“
Als vor 16 Jahren das stationäre Hospiz an der Heinrich-Wieland-Allee mit acht Betten seine Tore öffnete, gab es im Wohngebiet Vorbehalte. Die Vorstellung, dass gleich nebenan Menschen sterben, bereitete dem einen oder anderen Nachbarn offenbar Unwohlsein. Entstanden ist ein friedvoller Ort, an dem Fachkräfte und Ehrenamtliche Schwerkranken aus Pforzheim und der Umgebung helfen, die Angst vor dem physischen Ende zu bewältigen. Die Tagespflege wäre ein weiteres Angebot, damit todkranke Menschen versorgt und bis zum Ende begleitet werden können – neben Palliativstationen in Kliniken, der häuslichen Versorgung durch das Palliativnetz Pforzheim Enzkreis und dem ambulanten Hospizdienst.
Gedacht ist es als Entlastung für Angehörige und mit Blick auf die besondere Pflege der Schwerstkranken, die abends nach Hause zurückkehren. Voraussetzung für die Kostenübernahme durch die Kassen ist eine ärztliche Bescheinigung. Pforzheim wäre mit diesem Angebot eine der ersten Kommunen im Land. Und das aus gutem Grund: Die Zahl derer, die von solchen Angeboten profitieren können, wird mit den in Rente gehenden Boomer-Jahrgängen stetig wachsen – ebenso die Anzahl derer, die allein alt werden, onkologisch erkranken und auf besondere Pflege angewiesen sind.
Seit zehn Jahren ist Gengenbach (51) für das Hospiz verantwortlich – und hat nun ein schwieriges Jahr mit seinem 21-köpfigen Team hinter sich gebracht. Denn einerseits machten ihm personelle Engpässe bei den Pflegefachkräften zu schaffen, andererseits gab es aus dem Team heraus den Wunsch, statt der üblichen 80 Prozent voll zu arbeiten, was die Dienstpläne komplexer machte. Zudem wuchs für manchen Mitarbeiter die psychische Belastung.
Wenige Stellen offen
Schon vor einem Jahr hatte sich das Hospiz an eine Profi-Agentur gewandt, um durch neue Formate sowie Auftritte auf der Webseite und auf Facebook neue Zielgruppen zu erreichen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 90 Bewerbungen konnte Gengenbach sichten. Zwei Pflegefachkräfte fangen in den nächsten Monaten an, dann seien nur noch knapp zwei Stellen offen, freut sich Gengenbach. Denn er hatte 2025 zeitweise nicht alle Betten belegen können und statt der üblichen 100 nur 70 Schwerstkranke über das gesamte Jahr aufgenommen – eine wirtschaftlich heikle Situation. Dazu kamen viele Kurzaufenthalte, die eine sinnvolle wirtschaftliche Auslastung zusätzlich erschwerten. Dabei übernehmen die Krankenkassen grundsätzlich 95 Prozent der Kosten, die restlichen fünf Prozent müssen durch Spenden aufgebracht werden. Doch eine nahtlose Anschlussbelegung eines Platzes sei bei kurzen Wechseln schwierig. Tatsächlich, sagt Gengenbach, benötige er im Jahr 250.000 Euro – also ein Viertel der Gesamtausgaben –, um seine Kosten zu decken. Der Förderverein hilft dabei kräftig mit. Insgesamt sei Baden-Württemberg mit stationären Hospizen gut aufgestellt, habe sein Dachverband ermittelt. Lediglich im Raum Freiburg sei das Angebot noch ausbaufähig.
Bericht Martina Schäfer | Pforzheimer Zeitung