Hospizarbeit ist Herzensarbeit.

Mein Name ist Petra Koglin-Casutti. Ich arbeite als hauptamtliche Mitarbeiterin im Christlichen Hospiz.

Den Weg zur Hospizarbeit habe ich gefunden als ich eine Patientin in der Klinik vom Tag ihrer Erstdiagnose bis zu ihrem Lebensende gepflegt und begleitet habe, da wurde mir klar dies ist meine Lebensaufgabe.

Ich bin dankbar, dass mir dieser Weg gezeigt wurde und ich möchte keinen Tag missen.

Menschen in ihren letzten Lebenstagen zu begleiten, ihnen ein Stück  Lebensqualität zu schenken, mitzuerleben wie man mit kleinen Dingen ihnen eine Freude bereiten kann, gibt mir ein schönes und zufriedenes Gefühl.

Wenn ich morgens ein Zimmer betrete und mit den Worten begrüßt werde „Schön, dass Sie da sind“, kann der Tag ja nur gut werden.

Jeder unserer Gäste hinterlässt Spuren, die auch für meinen weiteren Lebensweg sehr wertvoll sind.

„Hospizarbeit ist eine Herzensarbeit!“

 

Petra Koglin-Casutti
Palliativ-Care-Fachkraft
im Christlichen Hospiz Pforzheim/Enzkreis gGmbH

Wundervolle, bereichernde Begegnungen

„Eines Tages werden wir sterben. Aber an allen anderen Tagen werden wir leben.“ Per Olev Enquist

Die Arbeit im Hospiz habe ich mir ausgesucht, weil ich es sehr wichtig finde, Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Es ist eine sehr emotionale Arbeit, die aber von wundervollen und bereichernden Begegnungen profitiert. Wir lachen und weinen im Hospiz zusammen, und ich selbst überdenke mein Leben immer wieder. Dabei lerne ich, für vieles dankbar zu sein und nicht alles als selbstverständlich anzusehen.

 

Petra Schilling
Palliativfachkraft
im Christlichen Hospiz Pforzheim/Enzkreis gGmbH

 

Lebensmelodien

Die Flöte beginnt zu spielen…

Der Pianist begleitet: abwartend, tastend, zurückhaltend, einige Akkorde im Hintergrund… Den Solisten fest im Blick, die Ohren hellwach, damit die Improvisationen und Akzente des Flötisten im Vordergrund bleiben. Denn nicht jede gespielte Note steht auf dem Notenpapier!
Reagieren auf Abweichungen der Melodie, Atempausen fast erahnend, mitgehen, wenn sich die Lautstärke und die Dynamik verändert…
…wenn der Solist sein Instrument absetzt, öffnet er dem Begleiter eigene Spielräume, vielleicht für neue Töne und Akkorde oder eine musikalische Überleitung. Setzt der Solist sein Instrument wieder an, spielt sich der Begleiter dezent in den Hintergrund und überlässt dem Melodiengeber erneut die Bühne…

Dieses „musikalische Bild“ hat mich inspiriert und es scheint mir sehr geeignet, den Part eines „Begleiters” in der hospizlichen Arbeit abzubilden.

Unsere Gäste, die Schwerstkranken und Sterbenden im Christlichen Hospiz Pforzheim, sind die Solisten. Viele verschiedene „Lebensmelodien” unserer Gäste erklingen. Manchmal in Dur und manchmal in Moll. Einmal laut und einmal leise. Oft ohne Tempoangabe, und dann ist um so mehr die Achtsamkeit der „Begleiter” gefragt.

Wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in unseren verschiedensten Arbeitsfeldern, sind die „Begleiter” unserer Gäste im Hospiz.

Und, um in der musikalischen Sprache zu bleiben:

Möge es uns täglich neu gelingen, die Lebensmelodien der uns anvertrauten Menschen mit ihren Angehörigen einfühlsam zu „begleiten”. Das vorgegebene Tempo abzunehmen, die Dynamik mitzugehen und die Pausenzeichen nicht zu übersehen. Den Blickkontakt mit dem Solisten zu halten und auch die leisesten Melodien wahrzunehmen, ohne sie zu übertönen. Dem Künstler den Vorrang zu überlassen und zeitnah zu reagieren, wenn die Tonart sich verändert.

Nur manchmal erhaschen wir einen kurzen Blick in die Partitur des Großen Komponisten. Aber oft bleibt uns dieser Blick auch verborgen, und wir müssen uns behutsam in die vorgegebene Taktart hinein tasten. Der Begleiter bleibt an der Seite des Solisten bis hin zum gemeinsamen Schlussakkord einer einzigartigen Lebensmelodie, ob in Dur oder in Moll.

 

Martin Fischer
Palliativ-Care-Fachkraft
Algesiologische Fachassistenz
im Christlichen Hospiz Pforzheim/Enzkreis gGmbH